Eine ungewöhnliche Nachtwanderung
Über die Kreuzwege 2008 ist inzwischen viel geschrieben worden, kluge Bemerkungen zu den einzelnen Kunstwerken, Erbauliches über den Sinn und religiöse Bedeutungen. Den eher sinnlichen und spielerischen Charakter der Führungen erlebt man abends bei den Nachtführungen, die Donnerstags um 19:00 Uhr starten. Wer mag und die Veranlagung dazu hat, kann eine halbe Stunde früher den Abend mit Meditation beginnen, für andere beginnt die Führung dann um sieben im Kirchenschiff der Katharinenkirche.
Glück hat bei diesen Führungen derjenige, der sowohl durch den eigentlichen Guide, meist Studenten der HfbK, als auch durch einen oder besser beiden der Organisatoren, Frank Engelbrecht und Rolf Kellner, begleitet zu werden. Dann bekommt die Führung Dynamik und durch wechselnde Rollen entsteht eine kirchliche Kunst-Stadtführung, in der die drei Guides nicht zwingend die erwarteten Aspekte dieses Weges abdecken. Da wird der Pastor zum Stadtführer und der Architekt zum Sinnsucher.
Dann geht es hinaus in die Dunkelheit und die Stadtführung beginnt. Im Katharinenviertel wird über sozialen Wohnungsbau der Achtziger, Traufwechsel in Hamburg nach dem großen Brand und verschwundene Fleete referiert. Die Kunst kommt dann wieder zum Zuge wenn an Hartmut Gerbschs "HafenCity Bedarf" haltgemacht wird, der dann leider gängige Vorurteile zum Leben in der HafenCity, dafür allerdings durchaus sehenswert, in einem Schaufenster in Szene gesetzt hat. Dann wechselt die Gruppe über die Jungfrauenbrücke in die Speicherstadt und begegnet sich selbst in den Spiegeln von Adriane Steckhan über dem alten Zolldurchgang.
Weiter geht es über die Magellan-Terrassen und dem "Wünsche versenken"-Floß von Julia Münz und Annika Unterburg zu einem der umstrittensten Kunstwerke der Kreuzwege: Den zu einem Kreuz zusammengestellten Klohäusern von Marnie Moldenhauer. Bevor bekannt wurde, das die Klohäuser zu den Kreuzwegen gehörten, dachte durchaus der eine oder andere Anwohner, die Baustelle am Kaiserkai 1, die ja demnächst fertig gestellt ist, hätte schonmal aufgeräumt, und aus der Ebene der Promenaden ist die Kreuzform auch nicht zu erkennen.
Weiter geht es zu einer der letzten Station, der Lichtinstallation von Katrin Bethge, die sehr ästhetisch die Fassaden der Bergedorf-Bille-Genossenschaftshäuser beleuchtet. Da aber der Zug durch die ständig wachsende Anzahl der Geschichten von Frank Engelbrecht und Rolf Kellner schon sehr lange für den Weg gebraucht hat, wird die Betrachtung der Projektionen durch die Zeitschaltuhr beendet, die Punkt 21:00 Uhr das Licht erlöschen läßt. Zurück in der Speicherstadt geht die Konzentration wieder ganz auf die Kunst zurück. Am Zollzaun am Fuss der Kibbelstegbrücke hat Arne Lösekann ein Sammelsurium von Dias, Objekten und Nichtidentifizierbaren In Schaukästen oder einfach am Zaun befestigt. Die Objekte sind in der Dunkelheit nur mit den Taschenlampen der Guides zu erkennen, die Schaukästen zeigen dafür umso deutlicher
die Dias.