„I’m interested in how we feel“
Harbour-frontiger geht’s nicht: die Cap San Diego, am Abend nur von wenigen Lichtern angestrahlt, ist Veranstaltungsort für den Lese-Event mit dem schottischen Autor Irvine Welsh, der aus seinem neuen Roman „Crime“ liest. Die Cap San Diego füllt sich, sehr zur Freude der Veranstalter, die immer wieder die Stuhlreihen auffüllen müssen. Fürsorglich wurden hellblaue Wolldecken auf den Klappstühlen verteilt, zu späterer Stunde zieht dann ein Mitarbeiter seinen Wollpullover aus und legt ihn einer älteren Dame über die Beine. Irvine Welsh wurde mit „Trainspotting“ weltbekannt; in seinen Romanen dominieren abgestürzte Typen, Parties und Drogen. In „Crime“ geht es um Kinderschänder; dazu stellt Welsh fest, dass heute kein Schriftsteller mehr ein Buch wie Vladimir Nabokovs vieldiskutierter „Lolita“ veröffentlichen könne, ohne als Pädophiler hingestellt zu werden. Welsh, an dessen schottisches Englisch man sich erstmal gewöhnen muss, liest den Anfang seines Romans im Stehen, das Mikro in der einen, das Buch in der anderen Hand.
Diese Veranstaltung im dunklen Bauch des weißen Schwans wird unbestritten zu den Highlights des Harbour Front Festivals zählen.